Faszination Olympia - Dr. Fröhlich über Buenos Aires 2018

Fr09.11.2018

 

Frau Dr. Fröhlich, gerade sind Sie aus Argentinien von der Jugend-Olympiade zurückgekehrt. Wie war es, knapp drei Wochen im olympischen Dorf zu leben?

Es war auf jeden Fall eine spannende Erfahrung. Im olympischen Dorf hab es Läden, eine medizinische Praxis, Apotheke, Fitnessstudio, Wäschereien, Bank und nicht zu vergessen das große Verpflegungs-/Essenszelt. Es gab viele Mitmachangebote wie Akrobatik, Fitnesscheck und abends auf dem "Dorfplatz" z.B. Karaoke. Das Flair des Dorfes machten für mich aber definitiv die Athleten und Betreuer aus den vielen verschiedenen Ländern aus. Das war toll zu sehen, die vielen verschiedenen jungen Sportler im respektvollen und sportlichen Umgang miteinander. 

Wie sah ihr Arbeitsalltag dort aus?

Wir hatten im Deutschen Haus ein Appartement, in dem die Physiotherapeuten ihren Behandlungsraum mit drei Behandlungsliegen hatten. Im Appartement nebenan war das sogenannte "Arztzimmer". Wir hatten ausreichend Medikamente, Verbandsmaterialien, Schienen und Salben dabei.
Oft kamen Athleten schon morgens um 6:00 Uhr, bevor sie zum Training oder zum Wettkampf sind. Der Vormittag war meist ruhig, da die Athleten unterwegs waren. Nachmittags und Abends sahen wir die meisten Athleten. Oft gingen die Behandlungen bis abends um 22:30 Uhr. Tagsüber, wenn es ruhiger war, konnte ein Arzt an die Wettkampfstätten und Athleten vor Ort betreuen oder sich selbst Wettkämpfe anschauen. Wenn wir außerhalb des Olympischen Dorfes waren, war der Notfallrucksack immer mit dabei.

Welche Krankheitsbilder oder Verletzungen haben Sie am meisten beschäftigt?

In der ersten und zweiten Woche war am meisten los, in der letzten Woche war es ruhiger. Zum Glück gab es keine schlimmeren Verletzungen und Erkrankungen. Zu Anfang hatten einige Athleten Schnupfen und Halsschmerzen. Auch Durchfallerkrankungen waren zu verzeichnen - die sind gefürchtet wegen der Ansteckungsgefahr, schnell können mehrere Athleten erkranken und sehr geschwächt werden. Deshalb wurden betroffene Athleten umgehend bezüglich der Zimmerverteilung umgelegt oder isoliert und entsprechende Hygienemaßnahmen eingeleitet. Ins Krankenhaus musste ich mit zwei Athletinnen zum Röntgen zum Frakturausschluß.

Die Bilder von der Eröffnungsfeier in Buenos Aires waren ja spektakulär. War generell viel los in der Stadt und bei den Wettkämpfen?

Ja, es war überall sehr viel los und die Hallen und Stadien waren voll. Der Eintritt zu den Wettkämpfen war umsonst und die Argentinier standen wirklich mit viel Geduld an, um den Olympischen Wettkämpfen beiwohnen zu können. Dadurch waren alle Wettkämpfe gut besucht und es herrschte eine tolle Atmosphäre. Die jungen Athleten konnten vor vollen Zuschauerrängen starten.

Wie sind die jungen Athletinnen und Athleten mit dem „Leistungsdruck" und dem ganzen „Drumherum" umgegangen?

Da haben wir verschiedene Charaktere kennen gelernt. Für die meisten waren die vollen Wettkampfstätten schon besonders. Bei vielen haben wir die Nervosität gespürt, aber nie kam uns der Druck auf die Athleten zu groß vor. Es war meist eine Aufgeregtheit gepaart mit Vorfreude auf den Wettkampf. Manchmal war ich nicht als Ärztin gefragt, sondern mehr als Zuhörerin und als Betreuerin, die gut Zuspricht und Mut macht. Man darf nicht vergessen, dass die meisten unter 18 waren und ohne Eltern und gewohntes Umfeld 3 Wochen von zuhause weg waren - da kann auch mal Heimweh vorkommen.

Was hat sie in den 3 Wochen am meisten fasziniert oder mitgenommen?

Mitgenommen hat mich der Fall einer jungen Athletin - bei ihr gab es einen Todesfall während der YOG in der Familie, da war sie natürlich sehr traurig und konnte ihre gewonnene Medaille gar nicht genießen, das tat mir sehr leid für sie.
Besonders toll und emotional war, dass ich drei Wettkämpfe betreuen konnte, bei denen die Deutschen Gold gewonnen haben, das war wirklich faszinierend, so emotional und ein ganz glücklicher Moment für die Athleten!

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