| BADEN-BADEN – Implantatverbesserungen und Optimierungen der Technik haben bislang die Fortschritte der Knieendoprothetik forciert. Diese Studie zeigt, dass derzeit das größte Potential zur Qualitätssteigerung in der Fortbildung der Operateure liegt.
Trotz Implantatverbesserung und Optimierung der OP-Techniken sind Beschwerden nach Knieendoprothetik nicht immer vermeidbar. Sie stellen sowohl eine diagnostische als auch therapeutische Herausforderung dar. Dies äußert sich u.a. in der Verdoppelung der Revisionsrate von zunächst 5% seit Anfang der 80er Jahre. Demzufolge wird inzwischen zumindest jede zehnte Prothese als Revisionskniegelenk implantiert. Dies ist v.a. auf 3 Faktoren zurückzuführen: ein geändertes Patientenprofil, die enorme Steigerung der Primärimplantationsrate sowie die Entwicklung spezieller Revisionsendoprothesen. Leitsymptome für den Patienten sind neben Schmerzen meist auch Funktionsminderung, Bewegungseinschränkung und Instabilität. Als Hauptursachen gelten aseptische und septische Lockerungen sowie Patellaprobleme, welche in einer nicht zu unterschätzenden Anzahl auf operationstechnische Defizite zurückzuführen sind.
Mit vorliegender Studie sollten Schmerzursachen über 11 Jahre analysiert werden. Von 1990 bis 2001 wurden 128 Patienten durchschnittlich 5,6 Jahre nach Knieendoprothetik wegen schmerzhafter Kniegelenke nachuntersucht. Das Alter der 88 Frauen und 40 Männer betrug zur Nachuntersuchung im Mittel 72,3 Jahre. Die verwendeten Prothesen waren ausnahmslos zementiert. Vertreten waren neben achs- und rotationsgeführten Modellen auch uni- und bikondyläre Oberflächenendoprothesen. Die klinische Untersuchung wurde an Hand des „HSS-scoring systems“ ausgewertet und mit aktuellen Röntgenaufnahemen verglichen.
Zur ambulanten Vorstellung betrug der HSS-Score im Mittel 51 Punkte. Neben dem subjektiven Schmerzgeschehen imponierten Bewegungs- und Funktionseinschränkungen, Instabilität sowie reduzierte Muskelkraft. Ursachen waren in 30,4 Prozent der Fälle aseptische und in 16,4 Prozent septische Lockerungen. Patellaprobleme fanden sich bei 10,2 Prozent, Komponentenfehlrotationen mussten bei 7,0 Prozent und Instabilitäten bei 8,6 Prozent diagnostiziert werden. Im Weiteren fielen je 3,1 Prozent periprothetische Frakturen bzw. Prothesenbrüche sowie 10,2 Prozent progrediente Degenerationen nach unikondylärer Versorgung auf. Bei immerhin 11,0 Prozent der Patienten lag ein Reizsyndrom unklarer Genese vor. Die Revisionsrate des untersuchten Patientenkollektivs betrug insgesamt 69,5 Prozent.
Als Hauptschmerzursachen nach Knieendoprothetik fanden sich somit Prothesenlockerungen und Patellaprobleme. Dabei wurden Schmerzen stets von Funktions- und Bewegungseinschränkungen begleitet. Bedenkenswert erscheint die Anzahl schmerzhafter Kniegelenke mit femoraler Komponentenfehlrotation, Instabilität sowie unklarem Reizsyndrom.
Schlussfolgernd kann festgehalten werden, dass fortwährende Implantatverbesserungen und Optimierung der Implantationstechnik in der Vergangenheit zu bemerkenswerten Fortschritten der Knieendoprothetik geführt haben. Die eigenen Ergebnisse sowie der Literaturvergleich zeigen jedoch, dass inzwischen das höchste Potential zur Qualitätssteigerung in der Fortbildung der Operateure liegt. Hierzu zählt neben einer sorgfältigen OP-Planung und Differenzialindikation eine den individuellen Besonderheiten gerecht werdende Op-Technik. Die Biomechanik des Kniegelenkes ist sehr komplex. Entscheidend ist v.a. die achs- und rotationsgerechte Implantation bei korrektem Weichteilrebalancing über das gesamte Bewegungsausmaß hinaus.
Autor:
PD Maik Schwitalle
Leitender Arzt Endoprothetik
Winghofer Medicum
Röntgenstrasse 38
72708 Rottenburg a. N.
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